Herzphobie und Kreislaufbeschwerden

Herzangst kommt auch im Rahmen von Panikattacken vor

 Patienten mit Herzangst im Rahmen von Panikattacken beschäftigen oft niedergelassene Ärzte, Notdienste und Krankenhäuser.

Zwar ist bei ihnen kein objektiver Befund erhebbar, sie leiden aber unter einer Vielzahl vegetativer, körperlicher und psychischer Symptome (siehe Panikattacken hier auf meiner homepage)

Die Anfälle dauern zwischen einigen Minuten und einer halben Stunde. Sie können unerwartet spontan auftreten, sind aber manchmal auch situationsgebunden an einen Reiz, an dessen Vorstellung oder situationsbegünstigt durch phobische Objekte.

 Von einer Panikstörung spricht man bei wiederholten Anfällen ohne besondere körperliche Belastung. 

Eine eindeutige Diagnose ist für den Herzphobieker und Panikpatienten  besonders wichtig

 

und hier einige Beiträge aus einem Internetforum mit Expertenratschlägen, die viel aufklären können !

Herzstolpern


Frage:

Ich habe schon seit 4 Wochen - meist am Morgen bis in den Vormittag - Herzstolpern. Mein Blutdruck schwankt: manchmal ist er auf 160/80, dann wieder 125/80. Ich muß sagen, daß ich ein sehr nervöser und ängstlicher Mensch bin, vegetativ also sehr labil. Ich bin
45 Jahre alt, männlich und treibe schon seit über 25 Jahre Sport, meistens Kraftsport. Eine Blutuntersuchung und ein EKG beim Arzt brachte keine Ergebnisse.

Experten-Antwort:

Extraschläge des Herzens, die als Herzstolpern empfunden werden, treten auch ohne Herzkreislauferkrankungen bei vielen Menschen in unterschiedlicher Zahl auf. Die meisten Personen bemerken sie gar nicht, vielmehr sieht man sie nur im EKG und vor allem im Langzeit-EKG. Andere beobachten sich selbst sehr genau, horchen in sich hinein, bemerken diese Extraschläge und sind darüber beunruhigt, obwohl sie harmlos sind. Wenn eine Beruhigung durch den Arzt die - unbegründete – Angst nicht beseitigt, kann man in einzelnen Fällen versuchen, das Herzstolpern (z. B. mit Betablockern) zu beseitigen. Allerdings sollten Auftreten und Art des Herzstolperns vorher durch EKG oder Rhythmusstreifen, in besonderen Fällen auch durch ein Langzeit-EKG nachgewiesen werden.
Ein schwankender Blutdruck ist charakteristisch für nervöse, ängstliche und vegetativ labile Menschen. Eine Behandlung sollte nur erfolgen, wenn der Blutdruck bei wiederholten Messungen in körperlicher und seelischer Ruhe erhöht ist. In der Regel sollte vor der Behandlung solcher Personen auch noch eine Blutdrucklangzeitmessung erfolgen, um einen Aufregungshochdruck bzw. eine Praxishypertonie, die nicht behandelt werden muss, auszuschließen.

 

Am nächsten Beitrag liegt mir besonders viel, weil ich selbst wohl auch blutdruckmeßmässig beim Arzt Panik bekomme !

Bluthochdruck bei Panikattacken

 

Frage:

Habe seit ca. 5 Wochen zu hohen Blutdruck, seit einer Panikattacke. Bei Langzeitmessung, hatte ich jedesmal einen Schreck, wenn das Gerät anfing zu pumpen und musste dann auf das Ergebnis gucken.Mittags landete ich dann mit einem Wert von 203/101 bei meinem Arzt.Der beruhigte mich.Ich kam mir total lächerlich vor,denn bei der Messung in der Praxis war mein Wert bei 140/80.Die Auswertung der Langzeitmessung ergab einen zu hohen Blutdruck/Mittel ca. 150/95!
1. Ist diese Messung überhaupt aussagekräftig, da ich den ganze Tag aufgeregt war?
Bekomme jetzt 1Tabl.Diucomb am Morgen, da ich Allergiker bin kein B-Blocker.
2. Warum fängt mein Puls nach dem Frühstück an zu rasen(ca.100)und der Blutdruck an zu steigen?
Habe inzwischen ständig Panik und messe dauernd Blutdruck,kann so nicht arbeiten.

Experten-Antwort:

Blutdruck und Puls sind nicht konstant, sondern schwanken in Abhängigkeit von seelischen (psychischen) und körperlichen (physischen) Belastungen. Aufregungen im privaten und beruflichen Bereich, Ärger, Angst, Schmerzen, ganz besonders Angst- und Panikattacken erhöhen Blutdruck und Puls vorübergehend, teils ganz erheblich. Es macht keinen Sinn, Blutdruck und Puls während solcher Zustände zu messen, weil sie dann immer zu hoch sind. Solche Erhöhungen sind ungefährlich und müssen nicht behandelt werden. Im Übrigen können Blutdrucksenker solche Anstiege nicht verhindern.
Der Blutdruck muss deshalb in körperlicher und seelischer Ruhe gemessen werden. Das war bei der Langzeitmessung nicht gewährleistet, weil Sie bei jeder Messung einen Schreck bekommen haben und weil Sie ängstlich, aufgeregt und voller Anspannung auf den Wert gewartet haben. Bei der Blutdruckmessung in der Praxis waren Sie wahrscheinlich ruhiger bzw. der Arzt hat Sie beruhig, so dass die Messung korrekt war und einen normalen Wert ergeben hat. Es macht überhaupt keinen Sinn, dass Sie sich selbst den Blutdruck messen. Sie sind für die Selbstmessung ungeeignet und machen sich selbst nur immer nervöser und unruhiger. Wenn sie abgelenkt sind und an Ihren Blutdruck gar nicht denken, ist er völlig normal.
Ihr Problem ist nicht der Blutdruck, sondern sind Angst- und Panikattacken, die zu einem vorübergehenden, ungefährlichen Blutdruckanstieg führen. Bei Ihnen muss man die Angst und die Panikattacken behandeln. Am ehesten eignet sich dafür eine Behandlung mit psychosomatischen und psychotherapeutischen Methoden.
Suchen Sie einen Arzt für Psychosomatik und/oder Psychotherapie auf, auch Ärzte für Psychiatrie beschäftigen sich mit dieser Problematik. Wichtig ist auch Ablenkung, z.B. durch geistige, körperliche und sportliche Betätigung.

 

 

Die so genannte "Herzphobie" wird entweder zu den somatoformen Störungen gezählt oder als Variante der Panikstörung klassifiziert. Untersuchungen zufolge klagen 10 bis 25 % aller Patienten einer Allgemeinpraxis über funktionelle Herzbeschwerden. Etwa 10% aller Patienten, die mit Verdacht auf Herzinfarkt stationär aufgenommen wurden, hatten eine Herzphobie. US-Studien zufolge sind bis zu 50% der Patienten mit Brustschmerzen und negativem Koroniarangiogramm Panikpatienten. Die Betroffenen sorgen sich ständig um ihr Herz: Sie haben kein Vertrauen in die automatische Herzfunktion, gehen normalen täglichen Belastungen aus dem Weg, haben detaillierte Informationen über ärztliche Notdienstregelungen und beziehen ihre ganze Familie in ihre Ängste mit ein - ihre Wohnungen wirken oft wie ein Sanatorium.

Quelle: H. Morschitzky: Somatoforme Störungen, Springer-Verlag