|
Agoraphobie
Die Angst, bei Angst keinen Fluchtweg
oder Helfer zu haben
Agoraphobie
(vom Griechischen „agora“ = Marktplatz und „phobos“ = Angst) heißt
auf Deutsch „Platzangst“. Der Begriff
„Agoraphobie“ wurde 1871 erstmals von dem deutschen Psychiater
Westphal verwendet und verstanden als „Unmöglichkeit, durch bestimmte
Straßen oder über bestimmte Plätze zu gehen oder die Gewissheit, dies
nur unter Angst tun zu können“.
Agoraphobien
sind Ängste vor öffentlichen Orten /
Menschenansammlungen oder freien Plätzen d.h.ohne Gebäude / Menschen
und können als „multiple
Situationsphobien“ bezeichnet werden. Gemieden oder nur mit
Unbehagen ertragen werden daher folgende Situationen: Aufenthalt in öffentlichen
Räumen, besonders wenn diese überfüllt sind (Geschäfte, Kirchen,
Kinos, Behörden, Krankenhäuser, Gaststätten, Friseursalon),
Benutzung öffentlicher Verkehrsmitteln (Busse, Straßenbahnen,
U-Bahnen, Züge, Flugzeuge, Schiffe), Liftfahren, Schlange stehen,
Aufenthalt im Freien bzw. Reisen, insbesondere allein in unbekannten
Gegenden.
Das ausgeprägte
Vermeidungsverhalten führt oft zu einem totalen Rückzug in die
eigene Wohnung. Doch auch hier kann das Gefühl der Sicherheit
verloren gehen durch die Angst vor dem Alleinsein, wo die beschützende
Wirkung vertrauter Personen fehlt. |
||
|
Bestimmte Gegenstände und Personen können die Angst reduzieren, allein deren Abwesenheit kann bereits Angst auslösen. Sicherheit gibt die Anwesenheit anderer Personen (Partner, Kinder) oder von Haustieren (Hund), die Mitnahme von Medikamenten (Tranqualizer),Talismann, etwas zum Festhalten, die räumliche Nähe eines Krankenhauses oder einer Arztpraxis.
Wichtigste Auslöser für agoraphobische Ängste sind die Entfernung von "sicheren" Orten und das Fehlen eines Fluchtwegs (subjektives Gefühl der Einengung der Bewegungsfreiheit: „in der Falle sitzen“) sowie eine starke Angst, anderen Menschen ausgeliefert zu sein..
Heilsam ist nicht das ständige Bereden, sondern das Durcherleben und Bewältigen-Lernen der Ängste. Agoraphobiker fürchten verschiedene Umstände und Situationen nicht als solche, sondern weil diese arge körperliche Zustände auszulösen vermögen, die nicht kontrollierbar erscheinen.
Viele Agoraphobiker können zahlreiche der genannten Situationen aufsuchen, wenn sie dies plötzlich und vorher nicht lange geplant tun müssen. Wenn die betreffenden Aktivitäten jedoch bereits seit Tagen feststehen, werden die Erwartungsängste oft derart groß, dass eine Bewältigung unmöglich wird. Dennoch zwingt die Angst vor der Angst viele Betroffene dazu, zahlreiche Aktivitäten (Ausflug, Theaterbesuch usw.) schon lange im voraus detailliert zu planen. Gefahrvolle Vorstellungen, Grübeleien und Nervosität (Aufgeregtheit und körperliche Angespanntheit) bestimmen die Zeit bis zum geplanten Ereignis. Die Erwartungsangst ist meistens viel schwerer zu bewältigen als das tatsächliche Ereignis, das dann durchaus als angenehm erlebt werden kann. Diese Erfahrung verhindert jedoch nicht, dass die Betroffenen vor der nächsten ähnlichen Situation wiederum beunruhigt und besorgt sind.
|
||